Einmal gerettet immer gerettet? – Kann ein Christ das Heil wieder verlieren?

Warum ist diese Frage überhaupt wichtig?

Viele Christen sind der Meinung, dass wenn man einmal gerettet wurde, man auch für immer gerettet bleibt und das ewige Leben nicht mehr verlieren kann. Sie meinen, wir könnten nicht mehr vom Glauben abfallen, egal was wir nach unserer Bekehrung tuen. Da diese Frage entscheidend das Thema unseres Heils wie auch unseres Glaubenslebens betrifft, möchte ich mich im Folgenden einmal damit auseinandersetzen, ob diese Lehre überhaupt zutreffend und biblisch begründet ist. Die Beweggründe der Gläubigen, die diese Auffassung vertreten, sind natürlich verständlich. Wir haben alle ein Sicherheitsbedürfnis und Ängste, die wir gerne auch in unsrem Glauben entkräftet wissen wollen. Manche haben auch die Sorge, das Ausgehen von einer Möglichkeit des Abfalls, würde bei den Gläubigen zu sogenannter „Werkgerechtigkeit“ führen und bedeuten, dass wir uns unsere Errettung bei Gott erarbeiten müssten. Der Wunsch danach, dass die Lehre der „ewigen Sicherheit“ von Gläubigen zutreffen möge, ist also sehr groß. Da wir uns daher in dieser Frage sehr leicht selbst betrügen können ist es für uns besonders wichtig, in unserem Glauben nicht nur unseren Gefühlen zu folgen. Viel besser ist es, wenn wir wirklich gefestigt in Gottes Wort werden und nur im Glauben annehmen, was wir auch in der Schrift bestätigt finden. Nur dann hat unser Glaube auch eine feste Grundlage, auf die wir uns verlassen können. Ich selbst bin in dieser Frage lange unsicher gewesen, habe sie dann aber ausführlich anhand der Schrift geprüft und denke, dass die biblische Lehre dazu klar und eindeutig ist. Dies will ich im Folgenden ausführen.

Was bedeutet Glauben?

Widmen wir uns als erstes der Frage, was die Bibel überhaupt mit Glauben meint, bevor wir uns damit beschäftigen können, ob wir von selbigem abfallen können oder nicht. Paulus sagt ganz am Anfang im Römerbrief:

Durch ihn haben wir Gnade und Apostelamt empfangen für seinen Namen zum Glaubensgehorsam unter allen Nationen,  unter denen auch ihr seid, Berufene Jesu Christi. (Röm.1,5-6)

Das Wort welches hier im Griechischen für Glaubensgehorsam steht heißt „pistis“ und wird in vielen anderen Stellen des NT in unterschiedlichen Zusammenhängen gebraucht, z.B.:

Was wollen wir denn sagen, hat Abraham, unser Vorfahr dem Fleische nach, gefunden? Denn wenn Abraham aus Werken gerechtfertigt worden ist, so hat er etwas zum Rühmen, aber nicht vor Gott. Denn was sagt die Schrift? »Abraham aber glaubte Gott, und es wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet.« Dem aber, der Werke tut, wird der Lohn nicht angerechnet nach Gnade, sondern nach Schuldigkeit. Dem dagegen, der nicht Werke tut, sondern an den glaubt, der den Gottlosen rechtfertigt, wird sein Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet, (Röm.4, 1-5)

Auch hier steht das selbe Wort für Glaube wie am Anfang des Römerbriefes und Paulus erklärt später auch, was er mit dem Glauben meint, den Abraham hatte:

Und nicht schwach im Glauben, sah er seinen eigenen, schon erstorbenen Leib an, da er fast hundert Jahre alt war, und das Absterben des Mutterleibes der Sara und zweifelte nicht durch Unglauben an der Verheißung Gottes, sondern wurde gestärkt im Glauben, weil er Gott die Ehre gab. Und er war völlig gewiss, dass er, was er verheißen hat, auch zu tun vermag. Darum ist es ihm auch zur Gerechtigkeit gerechnet worden. (Röm.4,19-22)

In dem Sinne wie Paulus das Wort gebraucht meint „glauben“ also, dass wir nicht auf uns selbst vertrauen sondern auf Gott.

Auch Jakobus erklärt uns was der Glaube auch bedeuten kann in folgender Stelle, in der er wie Paulus Abraham als Beispiel verwendet:

Willst du aber erkennen, du eitler Mensch, dass der Glaube ohne die Werke nutzlos ist? Ist nicht Abraham, unser Vater, aus Werken gerechtfertigt worden, da er Isaak, seinen Sohn, auf den Opferaltar legte? Du siehst, dass der Glaube mit seinen Werken zusammenwirkte und der Glaube aus den Werken vollendet wurde. Und die Schrift wurde erfüllt, welche sagt: »Abraham aber glaubte Gott, und es wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet«, und er wurde »Freund Gottes« genannt. Ihr seht also, dass ein Mensch aus Werken gerechtfertigt wird und nicht aus Glauben allein. (Jak.2,20-24)

Hier sehen wir, dass glauben treu sein bedeutet, entsprechend dem zu handeln, auf was man vertraut. Dies ist ja auch völlig einleuchtend, denn wenn ich behaupte, ich würde fest an etwas glauben, aber ich handele nicht entsprechend, dann beweise ich durch meine Handlungen, dass ich eben nicht fest daran geglaubt habe. Deswegen ist eine zwangsläufige Folge des wirklichen Glaubens der Gehorsam dem gegenüber, der das Objekt meines Glaubens ist. Wenn Paulus also davon spricht: „Abraham aber glaubte Gott, und es wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet“, dann meint er damit, dass nicht das einmalige Fürwahrhalten Abraham gerechtfertigt hat, sondern das Handeln nach dem worauf er vertraute.

Dies sehen wir auch nochmals im Johannesevangelium:

so viele ihn aber aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben; (Joh.1,12)

Interessant ist hierbei, dass das Wort „aufnehmen“ im Griechischen im Aorist steht, der immer eine einmalige Handlung anzeigt. Das Wort „glauben“ dagegen steht im Präsens, was eine dauerndes Bleiben meint. Die Aufnahme Jesu geschieht also in einer bestimmte Situation, Glauben dagegen, ist aber eine lebenslang andauernde Willensentscheidung.

Die Bibel meint also mit dem Wort „Glauben“ sowohl das Fürwahrhalten als auch Treue, Vertrauen und Gehorsam. Mit diesem Verständnis im Hinterkopf können wir nun auch Stellen wie die Folgende verstehen:

Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Weingärtner. Jede Rebe an mir, die nicht Frucht bringt, die nimmt er weg; und jede, die Frucht bringt, die reinigt er, dass sie mehr Frucht bringt. Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. Bleibt in mir und ich in euch! Wie die Rebe nicht von sich selbst Frucht bringen kann, sie bleibe denn am Weinstock, so auch ihr nicht, ihr bleibt denn in mir. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht, denn getrennt von mir könnt ihr nichts tun. Wenn jemand nicht in mir bleibt, so wird er hinausgeworfen wie die Rebe und verdorrt; und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen. (Joh.15,1-6)

Hier redet der HErr Jesus von uns als Reben, Er selbst aber ist der Weinstock. Wenn wir nicht an Ihm bleiben, dann werden wir von Ihm abgetrennt und ins Feuer geworfen, welches ein Bild fürs Verlorengehen ist. Uns kann dadurch also klar werden, dass der HErr deswegen so drastische Formulierungen wählt, weil glauben Treue bedeutet, auch an Ihm als wahren Weinstock zu bleiben. Dies macht Er in Matthäus noch einmal ganz deutlich:

Es wird aber der Bruder den Bruder zum Tode überliefern und der Vater das Kind; und Kinder werden sich erheben gegen die Eltern und sie zu Tode bringen. Und ihr werdet von allen gehasst werden um meines Namens willen. Wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird gerettet werden. (Mt.10,21-22)

Die Rettung setzt also das Ausharren bis ans Ende, also das langfristige Vertrauen und die Treue voraus. (1Kor.15,1-2) Wir können dieses Verständnis auch in unserem alltäglichem Sprachgebrauch erkennen, wenn ein Mann sagt: er bleibe seiner Frau treu, dann erweist sich seine Aussage nur als wahr, wenn es nicht beim einmaligen Bekennen bleibt, sondern er dies dann auch wirklich in seiner Ehe verwirklicht.

Wir sehen also dadurch, dass ein einmaliges Erkennen und Annehmen von Christi Errettungstat nicht Glauben bedeutet, sondern ein Festhalten und ein Ausharren im Vertrauen darauf. (Kol. 21-23) Dies erweist sich dann automatisch auch in entsprechenden Werken, wie Paulus sagt im „Glaubensgehorsam“, daher auch der Titel meiner Internetseite.

Für die meisten ist ja völlig klar, dass Gott uns nicht zum Glauben an Ihn zwingt, sondern dass wir uns dafür aus eigenem Willen entscheiden müssen. Aus Zwang kann keine wirkliche Liebe und freie Entscheidung erfolgen. Die Bibel verwendet ja oft als Bild unserer Beziehung zum HErrn, Mann und Frau in der Ehe. Wäre es eine freie Entscheidung und Liebe, wenn ein Mann die Frau um die er wirbt, mit vorgehaltener Waffe zur Ehe erpresst? Wohl kaum! Was wenn der Mann die Frau mit Gewalt in der Ehe hält, obwohl diese sich scheiden lassen will? Sollte Gott uns also in unserer errettenden Glaubensbeziehung zu Ihm, auch gegen unseren Willen festhalten?

Die Möglichkeit des Abfalls!

Schauen wir uns mit dem eben Geschriebenen im Hinterkopf nun folgende Bibelstellen an:

Denn es ist unmöglich, diejenigen, die einmal erleuchtet worden sind und die himmlische Gabe geschmeckt haben und des Heiligen Geistes teilhaftig geworden sind und das gute Wort Gottes und die Kräfte des zukünftigen Zeitalters geschmeckt haben und doch abgefallen sind, wieder zur Buße zu erneuern, da sie für sich den Sohn Gottes wieder kreuzigen und dem Spott aussetzen. Denn ein Land, das den häufig darauf kommenden Regen trinkt und nützliches Kraut hervorbringt für diejenigen, um derentwillen es auch bebaut wird, empfängt Segen von Gott; wenn es aber Dornen und Disteln hervorbringt, so ist es unbrauchbar und dem Fluch nahe, der am Ende zur Verbrennung führt. (Hebr.6,4-8)

Diese Stelle macht also unmissverständlich klar, dass Christen durchaus vom Glauben abfallen können. Es lässt sich nur von jemandem sagen, der sich bekehrt hat, dass er „des Heiligen Geistes teilhaftig geworden“ ist. Außerdem setzt der Ausdruck „wieder zur Buße zu erneuern“ eindeutig voraus, dass diese Menschen schon einmal Buße getan haben und somit auch, dass sie Christen waren. Auch kann man ja nur von etwas „abfallen“ wenn man schon einmal damit verbunden gewesen ist. Wenn eine Rebe vom Weinstock abfällt, wird diese von ihm getrennt. Der Ausdruck: „Die himmlische Gabe schmecken“, meint nicht nur ein Kosten oder Hineinschnuppern, wie manche erwidern würden. Wenn in Hebräer 2,9 über Jesus steht, dass er den Tod geschmeckt hat, wird auch niemand sagen, dass er nicht wirklich gestorben ist. Es wird auch klar gemacht, dass der Abfall tatsächlich zum Verlorengehen führt, denn „so ist es unbrauchbar und dem Fluch nahe, der am Ende zur Verbrennung führt“ zeigt ja die Folgen der in diesem Text genannten Loslösung unmittelbar auf.

An dieser Bibelstelle können wir auch erkennen, wie ein Christ sein Heil wieder verlieren kann, denn „wenn es aber Dornen und Disteln hervorbringt“ meint in der Bibel immer schlechte Werke tun oder das Sündigen.(1Mose3,18; Jes.9,17; Mt.7,16) Es ist also nicht nur, wie ich oben ausgeführt habe, dass erst die bewusste Absage an Gott zum Abfall führt, sondern bereits das dauerhafte Festhalten an Sünden diese Konsequenz hat. Denn die Folge wirklichen Glaubens müssen ja gute Früchte sein, sonst hat sich der Glaube als nicht vorhanden erwiesen. Folgende Bibelstelle belegt dies noch einmal unmissverständlich:

Denn wenn wir mutwillig sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, bleibt kein Schlachtopfer für Sünden mehr übrig, sondern ein furchtbares Erwarten des Gerichts und der Eifer eines Feuers, das die Widersacher verzehren wird. Hat jemand das Gesetz Moses verworfen, stirbt er ohne Barmherzigkeit auf zwei oder drei Zeugen hin. Wie viel schlimmere Strafe, meint ihr, wird der verdienen, der den Sohn Gottes mit Füßen getreten und das Blut des Bundes, durch das er geheiligt wurde, für gemein erachtet und den Geist der Gnade geschmäht hat? Denn wir kennen den, der gesagt hat: »Mein ist die Rache, ich will vergelten«; und wiederum: »Der Herr wird sein Volk richten.« Es ist furchtbar, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen! (Hebr. 10,26-31)

Was will der unvoreingenommene Bibelleser gegen diese Stelle noch einwenden? Ist sie nicht klar und eindeutig? Es geht hier ja um Leute die „die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben“ und die „das Blut des Bundes, durch das er geheiligt wurde, für gemein erachtet“ haben. Damit können doch ohne Zweifel nur Gläubige gemeint sein. Diese Stelle zeigt deutlich, dass das Heil schon durch mutwilliges, d.h. bewusstes und fortgesetztes, willentliches Sündigen verloren geht. Nicht erst die bewusste Absage eines Christen an seinen Erlöser führt zum Abfall, sondern schon das schleichende, langsame Zurückgehen in die Sünde. Dieser Zustand ist schlimmer, als der Zustand einer Person, die nie Christ war. Paulus betont diese Folge auch an vielen Stellen:

Aber ihr selbst tut unrecht und übervorteilt, und das Brüdern gegenüber! Oder wisst ihr nicht, dass Ungerechte das Reich Gottes nicht erben werden? Irrt euch nicht! Weder Unzüchtige noch Götzendiener noch Ehebrecher noch Weichlinge noch mit Männern Schlafende noch Diebe noch Habsüchtige noch Trunkenbolde noch Lästerer noch Räuber werden das Reich Gottes erben. (1Kor.6,8-10 ähnlich 1Kor.15,50; Gal.5,21)

Warum sollte Paulus eine solche Warnung an Gläubige aussprechen, wenn das fortwährende Sündigen nicht eine reale Gefahr bergen würde? Dabei ist wichtig, dass z.B. mit „Unzüchtigen“ Leute gemeint sind, deren Wesen das eines Sünders ist. Es geht also nicht um Gläubige, die einmal bewusst in eine Sünde fallen, diese dann bereuen und versuchen in der Kraft des Geistes nicht wieder zu tun. Vielmehr geht es um Christen, die sich mit ihrer Sünde abgefunden haben und nicht mehr zur Umkehr bereit sind oder dagegen ankämpfen. Die also quasi „berufsmäßig“ sündigen. Jetzt verstehen wir auch die Warnungen unseres HErrn in Matthäus 18:

Wenn aber deine Hand oder dein Fuß dir Anstoß zur Sünde gibt, so hau ihn ab und wirf ihn von dir! Es ist besser für dich, lahm oder als Krüppel in das Leben hineinzugehen, als mit zwei Händen oder mit zwei Füßen in das ewige Feuer geworfen zu werden. Und wenn dein Auge dir Anlass zur Sünde gibt, so reiß es aus und wirf es von dir! Es ist besser für dich, einäugig in das Leben hineinzugehen, als mit zwei Augen in die Hölle des Feuers geworfen zu werden. (Mt.18,8-9)

Die Sünde kann auch für uns Gläubige so gefährlich werden – weil sie uns zum Abfall führen kann – dass wir dagegen auch unter großen Opfern kämpfen sollen.

Es geht nicht darum, dass ein solcher Christ von Anfang an den Glauben aufgeben will, aber z.B. aufhört gegen die Sünde zu kämpfen. So wird ein solcher Mensch langsam in seinem Herzen immer verstockter und die Beziehung zu Gott immer oberflächlicher. Auch kann der HErr in ihm dann kaum noch wirken, da Gott ja Teile des Lebens vorenthalten werden. Irgendwann wird entweder an Gottes Existenz selbst gezweifelt, und das Christsein offen aufgegeben oder man wird lau und der Glaube hat seine Kraft im eigenen Leben verloren. Der Satan versucht Gläubige also durch Sünde nach und nach dazu zu bringen, irgendwann von selbst nicht mehr bei Gott bleiben zu wollen und den eigenen Glauben zu verleugnen oder nicht mehr ernst zu nehmen. Petrus schreibt:

Denn wenn sie den Befleckungen der Welt durch die Erkenntnis unseres Herrn und Retters Jesus Christus entflohen sind, aber wieder in diese verwickelt und überwältigt werden, so ist für sie das Letzte schlimmer geworden als das Erste. Denn es wäre ihnen besser, den Weg der Gerechtigkeit nicht erkannt zu haben, als sich, nachdem sie ihn erkannt haben, wieder abzuwenden von dem ihnen überlieferten heiligen Gebot. Es ist ihnen aber nach dem wahren Sprichwort ergangen: Der Hund kehrt wieder um zu seinem eigenen Gespei und die gewaschene Sau zum Wälzen im Kot. (2Petr.2,20-22)

Ich will auch noch auf die Gefahr hinweisen, sich von falschen Lehren vom Glauben abringen zu lassen. Der HErr warnt uns in seinem Wort auch davor, wenn wir nicht bei der gesunden Lehre bleiben. (Gal.1,6-7) Es gibt Lehren die einen auf den Weg des Abfalls führen, weil sie früher oder später zur Verleugnung des Glaubens und dem Zurückkehren in die Sünde führen. Dazu gehören z.B. die liberale Theologie, die Lehre, dass für Gläubige die Gebote nicht mehr gelten würden (Gesetzlosigkeit) oder das Gegenteil, dass wir durch halten des AT-Gesetzes gerecht werden würden (Gesetzlichkeit) und viele weitere. Paulus sagt uns:

Der Geist aber sagt ausdrücklich, dass in späteren Zeiten manche vom Glauben abfallen werden, indem sie auf betrügerische Geister und Lehren von Dämonen achten, durch die Heuchelei von Lügenrednern, die in ihrem eigenen Gewissen gebrandmarkt sind (1Tim.4,1)

Wir können aber davor bewahrt werden uns von falschen Lehren verführen zu lassen, wenn wir wirklich ein Verlangen haben die Wahrheit zu erkennen und aufhören wollen zu sündigen. Wenn wir aber nicht bereit sind, auch uns unangenehme Wahrheiten anzunehmen, wenn Gott uns etwas offenbart oder wir einfach weiter sündigen wollen, wird der Herr zulassen, dass wir getäuscht werden, um uns davon zur Umkehr zu bewegen.

und mit jedem Betrug der Ungerechtigkeit für die, welche verloren gehen, dafür, dass sie die Liebe der Wahrheit zu ihrer Rettung nicht angenommen haben. Und deshalb sendet ihnen Gott eine wirksame Kraft des Irrtums, dass sie der Lüge glauben, damit alle gerichtet werden, die der Wahrheit nicht geglaubt, sondern Wohlgefallen gefunden haben an der Ungerechtigkeit. (2Thess.2,10-12)

Deswegen ist es wichtig, dass wir die Wahrheit lieben, die Gott uns über uns zeigt und dass wir die Gemeinschaft mit Ihm im Gebet und beim Lesen seines Wortes suchen. So kann und wird er uns immer wieder schnell korrigieren, wenn wir auf Abwege geraten sollten.

Die Gegenargumente

Es gibt nun einige Einwände und Bibelstellen die manche dafür hervorbringen wollen, dass wir das Heil nicht wieder verlieren könnten. Schauen wir uns einige davon zum Schluss noch an. Das Argument, viele Bibelstellen würden sich nicht an Gläubige richten habe ich oben bereits widerlegt. Ebenso die Behauptung, Menschen die vom Glauben abfallen, wären vorher gar nicht wirklich gläubig gewesen, auch dazu äußert sich die Bibel ganz klar. Ein weiterer Einwand ist, dass Gott uns mit diesen Warnungen ja nur drohen möchte, bei Ihm zu bleiben, aber dass Er es eigentlich gar nicht ernst meinen würde. Auch wenn ich dieses Argument für ziemlich abwegig halte möchte ich dem entgegnen: Warum spricht dann aber die Schrift an so vielen Stellen vom Ausharren bis ans Ende, wenn der Abfall sowieso keine Konsequenzen hätte, oder es diesen gar nicht gäbe? Es passt nicht zu Gott, der immer zu seinem Wort steht und dessen Wort sich erfüllt, leere Drohungen zu benutzen, um seine Kinder zum Gehorsam zu führen. Selbst das Verhalten von Eltern, die ihre Kinder mit leeren Drohungen erziehen, wird allgemein abgelehnt. Sollte der HErr etwa genauso handeln und nicht zu dem stehen was er uns gesagt hat? Meint Er dann auch seine Versprechungen des Heils nicht ernst und will uns nur dadurch motivieren?

Wer wird uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Angst oder Verfolgung oder Hungersnot oder Blöße oder Gefahr oder Schwert? Wie geschrieben steht: »Deinetwegen werden wir getötet den ganzen Tag; wie Schlachtschafe sind wir gerechnet worden.« Aber in diesem allen sind wir mehr als Überwinder durch den, der uns geliebt hat. Denn ich bin überzeugt, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch Mächte, weder Höhe noch Tiefe, noch irgendein anderes Geschöpf uns wird scheiden können von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn. (Röm.8,35-39)

Da Paulus, wie wir oben schon gesehen haben, klar vor einem Abfall vom Glauben warnt, kann er hier also nicht das Gegenteil meinen und sich selbst widersprechen. Wenn wir genau lesen erfahren wir, dass Paulus uns hier eine wunderbare Zusage Gottes mitteilt, die uns Mut und Kraft geben kann. Das Gott uns nämlich vor jedem äußeren Einfluss bewahren wird, wenn wir nur bei ihm bleiben wollen. Dann können uns weder dämonische Mächte noch irgendetwas anderes in dieser Welt von ihm scheiden. Wer sich die Bibelstelle genau anschaut bemerkt, dass hier aber nichts gegen unsere eigene Willensentscheidung, uns von Gott loszusagen, ausgesagt wird. Wenn wir Gott angenommen haben, müssen wir ja auch nicht mehr sündigen, da er uns die Kraft dazu gegeben hat. (Röm.6,7; 8,9; 1Joh.1,9) Deswegen ist in dieser Aufzählung auch nicht von Sünde die Rede. Diese Zusage widerspricht also nicht dem, was Paulus an anderer Stelle gesagt hat. Gott ist immer treu, aber er zwingt uns nicht zur Treue. 

Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie gehen nicht verloren in Ewigkeit, und niemand wird sie aus meiner Hand rauben. (Joh.10,27-28)

Wiederum geht es hier um die Treue Gottes. Das Wort „aus meiner Hand rauben“ macht deutlich, dass es um einen Angriff von außen geht. Gott wird uns bewahren, wenn wir Ihn um Hilfe bitten. Jesus wird uns aber nicht mit Gewalt gegen unseren Willen, in seiner Hand halten.

In ihm seid auch ihr, als ihr das Wort der Wahrheit, das Evangelium eures Heils, gehört habt und gläubig geworden seid, versiegelt worden mit dem Heiligen Geist der Verheißung. Der ist die Anzahlung auf unser Erbe, auf die Erlösung seines Eigentums hin zum Preis seiner Herrlichkeit. (Eph.1,13-14)

Ein Siegel ist in der Bibel nicht unbedingt etwas unzerbrechliches, sondern soll etwas besonderes Kennzeichnen (Hes.28,7; Röm.4,11; Offb.5,2). Der Empfänger des Siegels kann dieses durchaus brechen, wie auch Vers 14 zeigt, wo der Geist Gottes als eine Anzahlung bezeichnet wird. Ziel einer Anzahlung ist die Ermutigung, auch nach dem vollen Lohn zu streben. Diesen bekommen wir aber erst noch.

Genau nach dieser Weise, kann mach auch die übrigen, oft angeführten Stellen in der Bibel deuten, die uns alle eine Ermutigung im Glauben geben, aber die nicht gegen die eindeutigen, anderen Aussagen sprechen.

Fazit

Ich denke es ist klar geworden, dass die Bibel in vielen Stellen von einer Möglichkeit des Abfalls ausgeht. Dies soll uns aber nicht in Furcht versetzten! Solange wir nicht von Gott weg wollen, hält er uns auch bei sich. Die Bibel warnt uns aber davor, die Gnade als einen Vorwand zur Sünde zu gebrauchen (Gal.5,13) und davor, uns selbst wieder von Gott abzuwenden. Die warnenden Worte richten sich also an Gläubige, die den Kampf gegen die Sünde oder das eifrige Streben nach der Heiligung aufgegeben haben, und sich auf ihrer Errettung ausruhen. Wir können dazu wieder gut das Bild der Ehe verwenden. Gott hat uns zugesagt, dass Er sich niemals von uns Scheiden wird, egal was passiert. Aber Er zwingt uns nicht zur Ehe, denn wir können uns wieder von Ihm scheiden lassen. Wenn ein Ehepartner fortwährend Ehebruch begeht – also sündigt – und er davon nicht umkehren will, dann wird er in seinem Herzen verstockt und lieblos. Dies führt irgendwann dazu, dass er sich von selbst scheiden lassen will, um seinen Ehebruch ungestört weitertreiben zu können. Die Gefahr der Sünde ist also nicht, dass Gott seine Treue uns gegenüber brechen würde, sondern dass sie unseren Willen dazu bereit macht, uns wieder von Gott scheiden zu lassen. Lasst uns also nun mit allem Eifer die Gnade unseres Gottes annehmen und Ihm treu bis ans Ende sein! Wenn wir bereit dazu sind, dann wird Gott dies auch in uns vollbringen.

Ich bin ebenso in guter Zuversicht, dass der, der ein gutes Werk in euch angefangen hat, es vollenden wird bis auf den Tag Christi Jesu (Phil.1,6)

Lasst uns aber genauso die Warnung des Hebräerbrief-Schreibers ernst nehmen, auf unser Herz aufzupassen und aufeinander achtzugeben:

Seht zu, Brüder, dass nicht etwa in jemandem von euch ein böses Herz des Unglaubens ist, im Abfall vom lebendigen Gott, sondern ermuntert einander jeden Tag, solange es »heute« heißt, damit niemand von euch verhärtet wird durch Betrug der Sünde! (Hebr.3,12)

Ich grüße euch mit Römer 16,20:

Der Gott des Friedens aber wird in Kurzem den Satan unter euren Füßen zertreten. Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch! 

Lukas Praetorius 

Münster, den 13.03.2021



Anmerkung: alle Bibelstellen entstammen der revidierten Elberfelder Übersetzung, die Hervorhebungen sind von mir.